
Die Wahl eines Reifens beschränkt sich nicht nur auf die Dimensionen oder den Preis. Seit Inkrafttreten der europäischen Verordnung 2020/740 wurde die Kennzeichnung von Pkw-Reifen mit neuen Kriterien (Geräusch, Haftung auf nasser Fahrbahn, QR-Code, Piktogramme für Schnee und Glatteis) überarbeitet. Diese Entwicklung verändert die Lesart für Autofahrer und Motorradfahrer, die sich oft mit sehr unterschiedlichen Anforderungen je nach Fahrzeug und Nutzung auseinandersetzen müssen.
Fahrassistenzsysteme und Reifen: eine unterschätzte technische Abhängigkeit
Die modernen Fahrassistenzsysteme (automatisches Notbremsen, Spurhalteassistent, adaptiver Tempomat) basieren auf einem Haftungs- und Präzisionsniveau, das die älteren Reifengenerationen nicht garantieren mussten. Mercedes-Benz und Volvo weisen in ihren technischen Bulletins 2023-2024 darauf hin, dass nicht homologierte Reifen die Funktionsweise dieser Systeme stören und die Bremswege verlängern können.
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Dieser Punkt betrifft direkt die neueren Fahrzeuge, die serienmäßig mit ADAS ausgestattet sind. Reifen mit einer anderen Dimension oder Tragfähigkeitsindex als die Herstellervorgaben zu montieren, stellt nicht nur ein Problem der Abnutzung dar: Es kann auch die Berechnungen des ESP oder der autonomen Bremsung verfälschen. Auf https://www.auto-moto-pneu.net/ verknüpfen die Produktblätter die Reifenreferenzen mit den Herstellerspezifikationen, was die Überprüfung der Kompatibilität erleichtert.
Für Motorräder stellt sich die Frage anders. Elektronische Hilfen (Traktionskontrolle, ABS beim Kurvenfahren) haben sich bei Sport- und Premiumstraßenmodellen verbreitet. Die Rückmeldungen aus der Praxis sind hier unterschiedlich: Einige Monteure berichten von ungewollten ABS-Auslösungen mit nicht empfohlenen Sportreifen, ohne dass die Hersteller umfassende Daten dazu veröffentlichen.
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Europäische Reifenkennzeichnung: Was der QR-Code für die Auswahl ändert
Die Verordnung (EU) 2020/740, die seit Mai 2021 gilt, hat eine detailliertere Kennzeichnung eingeführt. Das Etikett enthält jetzt einen QR-Code, der auf die EPREL-Datenbank verweist, in der die überprüften Leistungen des Reifens aufgeführt sind.
Drei Kriterien werden auf dem Etikett bewertet:
- Die Energieeffizienz (Rollwiderstand), eingestuft von A bis E, die den Kraftstoffverbrauch und die Reichweite von Elektrofahrzeugen beeinflusst.
- Die Haftung auf nasser Fahrbahn, eingestuft von A bis E, die nach wie vor das sicherheitsrelevanteste Kriterium zwischen zwei Reifen derselben Dimension ist.
- Das Außengeräusch beim Fahren, ausgedrückt in Dezibel und begleitet von einem Piktogramm, mit Schwellenwerten, die die Europäische Kommission zu verschärfen plant.
Zwei zusätzliche Piktogramme ermöglichen es, Reifen zu erkennen, die für Schnee geeignet sind (3PMSF-Kennzeichnung, der Schneeflocke im Gebirge) und für Glatteis (ice grip). Die 3PMSF-Kennzeichnung ist gesetzlich vorgeschrieben, um in bestimmten Gebieten während der Winterzeit zu fahren.
Die Kommission arbeitet daran, den ökologischen Fußabdruck in die Kennzeichnung zu integrieren, insbesondere die Abrasion der Reifen und die emittierten Mikropartikel. Dieser Aspekt ist noch nicht in Kraft, könnte jedoch die Einstufung bestimmter günstiger Reifen mit weichem Gummi erheblich verändern.
Reifendruck bei Auto und Motorrad: der am meisten vernachlässigte Parameter
Der Druck ist der Wartungsfaktor, der den größten Einfluss auf die Lebensdauer, Sicherheit und den Verbrauch hat. Ein zu niedriger Reifendruck führt zu unregelmäßiger Abnutzung an den Schultern, erhöht die Temperatur und steigert den Rollwiderstand.
Der empfohlene Druck variiert je nach Fahrzeuglast, nicht nur je nach Reifenmodell. Das Etikett, das an der Türsäule oder im Tankdeckel angebracht ist, gibt die Werte an, die bei normaler Last und voller Last eingehalten werden müssen. Bei Motorrädern wird der Druck im kalten Zustand, vor der Fahrt, überprüft, und die tolerierten Abweichungen sind enger als bei einem Auto.
Häufigkeit und Methode der Kontrolle
Eine monatliche Kontrolle reicht für den täglichen Gebrauch im Auto aus. Für das Motorrad ist eine Kontrolle vor jeder längeren Fahrt vorzuziehen, da die Kontaktfläche zum Boden deutlich kleiner ist. Tragbare digitale Manometer bieten eine zuverlässigere Ablesung als die Tankstellen, deren Kalibrierung nicht immer überprüft wird.

Abnutzung von Motorrad- und Autoreifen: Indikatoren und gesetzliche Grenzen
Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 mm bei Autos. Auf nasser Fahrbahn nimmt die Haftung signifikant ab, lange bevor dieser Schwellenwert erreicht wird. Mehrere Hersteller empfehlen, die Reifen bereits bei 3 mm bei Autos und 2 mm bei Motorrädern zu ersetzen, aber diese Empfehlungen bleiben Ratschläge und sind keine gesetzlichen Verpflichtungen.
Die Abnutzungsindikatoren (kleine Stege, die in die Hauptrillen eingeformt sind) ermöglichen eine schnelle visuelle Kontrolle. Bei Motorradreifen ist die Abnutzung selten gleichmäßig: Ein Sportreifen hinten nutzt sich auf der Autobahn in der Mitte schneller ab und an den Seiten bei dynamischer Fahrweise auf kurvenreichen Straßen.
Wann die Rotation sinnvoll ist
Die Rotation der Reifen ist im Auto üblich, um die Abnutzung zwischen der Vorderachse (die oft stärker beansprucht wird bei einem Frontantrieb) und der Hinterachse zu homogenisieren. Bei Motorrädern gibt es diese Praxis nicht: Die Vorder- und Hinterreifen haben unterschiedliche Profile, Dimensionen und Funktionen.
Die Lagerung von saisonalen Reifen verdient ebenfalls Aufmerksamkeit. Ein Reifen, der lichtgeschützt, bei stabiler Temperatur und aufrecht gelagert wird, behält seine Eigenschaften länger als ein Reifen, der flach gestapelt in einer Garage gelassen wird, die Temperaturschwankungen ausgesetzt ist.
Die Wahl eines für sein Fahrzeug, seinen tatsächlichen Gebrauch und die Saison geeigneten Reifens bleibt die Grundlage. Die europäische Kennzeichnung erleichtert den Vergleich, ersetzt jedoch nicht die regelmäßige Überprüfung des Drucks und der Abnutzung, zwei einfache Handlungen, die sowohl die Sicherheit als auch die Lebensdauer des Reifens beeinflussen.